Blogparade – Vorsätze für 2016: selbstbewusst artgerecht leben mit Kind

Wie du stark und selbstbewusst mit deinem Baby artgerecht lebst und die Kritik aus deinem Umfeld unwichtig wird

 

Was für ein Glück! Endlich sind Weihnachten und Silvester vorbei. Der Familienbesuch ist wieder wo er hingehört. Klar, schön war es schon, zum Teil. Aber auch anstrengend und nervig. Besonders die Kommentare zu deinem Umgang mit deinem Baby waren schon hart an der Belastungsgrenze. Gut, dass jetzt alles wieder seinen gewohnten Gang geht.

Aber Moment! Neujahr steht ja noch an. (Über die ganzen anderen Feiertage und Familienfeste im neuen Jahr denkst du mal lieber gar nicht erst genauer nach.) Egal ob bei einem Besuch oder dem obligatorischen Telefonat mit der Verwandtschaft, um ein „Frohes neues Jahr!“ zu wünschen. Du rechnest schon damit, dass dir der eine oder andere gute Rat-Schlag mitgegeben wird. Schon bei dem Gedanken daran, sinkt deine Laune und dir wird flau im Magen. Vielleicht hast du dich lange und ausführlich über deinen Weg mit Baby informiert. Vielleicht handelst du auch einfach aus deinem Bauchgefühl heraus und hörst auf dein Mamaherz. Leider ist das alles uninteressant für dein Umfeld (egal ob Familie, Freunde oder Bekannte). Es wird immer wieder an euch rumgenörgelt. Obwohl du von deinem Weg überzeugt bist und an deinem Kind siehst, dass es richtig ist. Okay, auch nicht immer, aber jeder Mensch, egal ob groß oder klein, hat immer mal wieder ´ne Scheiß-Phase. Du weißt ja, das geht vorbei ;-).

Nur diese Scheiß-Phase der Verwandtschaft will einfach nicht vorbeigehen: „Wie du stillst immer noch?“, „Schläft er jetzt schon durch?“, „Den bekommst du ja nie wieder aus eurem Bett raus!“, „Musst du sie immer rumschleppen? Sie muss mal lernen alleine zu laufen.“, „Der merkt sich das, wenn du ihn immer gleich hochnimmst, wenn er schreit. Er muss doch mal lernen alleine liegen zu bleiben.“, „Lass sie schreien, das ist nur Trotz.“, „Wird Zeit, dass du ihm mal Grenzen aufzeigst.“, „Wenn du so weitermachst, wird er ein verzogener, kleiner Tyrann.“, etc. pp.

Puhh! 🙁

 

Schaust du auch so aus bei den Neujahrs-Anrufen?

Schaust du auch so aus bei den Neujahrs-Anrufen?

 

Du versuchst zwar immer freundlich zu erklären, was dir wichtig ist und worum es bei artgerecht/attachment parenting geht. Aber irgendwie dringt es zu deinen Leuten nicht durch. Es wechselt von einem ruhigen und freundlichen Gespräch zu einem lauten und hitzigen Streit. Du spürst, wie du anfängst zu zittern. Deine Stimme wird flattrig und in deiner Kehle schnürt dir ein dicker Kloß die Luft ab, während deine Knie weich werden, wie Wackelpudding. Schluß! Aus! Du packst dein Kind (oder mehrere), eure sieben Sachen und verschwindest. Oder brichst das Telefonat mit einem Druck auf das rote Knöpfchen ab.

Luft holen! Verschnaufen. Oder wie Rumpelstielzchen durchs Zimmer wüten. Hauptsache das ganze Adrenalin geht weg.

Silvester. Neujahr. Was für Vorsätze hast du?

Nach jedem Streit oder fiesen Kommentar denkst du dir: „Ich mach das nicht mehr mit. Es muss sich was ändern. Sie müssen das doch endlich mal kapieren. Ich weiß doch was ich tue und warum.“

 

Die Veränderung beginnt bei dir

Es ist gut, sich in die Themen einzulesen und sich immer weiter zu informieren. Egal ob zu Stillen, Tragen, Familienbett, Windelfrei oder Beziehung statt Erziehung. So hast du die wichtigsten Argumente parat, wenn sich jemand dafür interessiert. STOPP! Ich sagte, WENN sich jemand dafür interessiert! Bei allen anderen, die es nicht verstehen können oder wollen, helfen die besten Fakten nichts. Das einzige was du da tun kannst ist, dich nicht auf eine Grundsatzdiskussion einzulassen, Punkt!

Um selbst sicherer zu werden, kannst du dir Gleichgesinnte suchen, mit denen du dich austauschen kannst. Das Internet bietet dafür unendlich viele Möglichkeiten, z.B. gibt es tolle facebook-Gruppen, in denen du nette Leute findest. Oft spalten sich aus den großen Gruppen kleine, lokal orientierte Schwester-Gruppen ab. Dadurch werden dann auch Treffen und Freundschaften im echten Leben möglich. Je nachdem wo du wohnst, findest du vielleicht auch schon bestehende Gruppen, die sich treffen (Stillgruppen, artgerecht-Treffs, etc.). So siehst du zum einen, dass du nicht allein bist mit deinem Weg und den dazugehörigen Schwierigkeiten (ja, jeder Weg hat seine Schwierigkeiten) und zum anderen erschaffst du dir so einen Schutzraum, indem du so sein kannst, wie du bist oder werden willst.

Schau hinter die Kulissen, deiner Kritiker. Was versteckt sich hinter den Sprüchen? Meist ist es Angst und (Für-)Sorge, auf eine verquere Weise, die nicht anders zum Ausdruck gebracht werden kann. Oder dein Weg wird als Vorwurf verstanden, weil du alles so anders machst. Auch dahinter steckt Angst. Wenn du verstehst, welche Intention hinter einem Rat-Schlag steckt, verliert er an Härte. Dann kannst du gelassen auf die Sorge dahinter antworten.

Der letzte Punkt betrifft das Loslassen. Vielleicht hast du den Spruch ja auch schon mal verpasst bekommen: „Du musst lernen dein Kind loszulassen.“ Bei uns sagt man da: „An Pfiffkas muas i.“, was so viel heißt wie „Ich muss gar nichts.“, oder derbe ausgedrückt „Das einzige was wir müssen ist, fressen, scheißen und sterben.“. Denn das einzige was du nicht loslassen musst ist dein Kind. Da kommt das Loslassen ganz von alleine, langsam, mit jedem weiteren Entwicklungsschritt.

 

MutterLiebe

 

Was du wirklich loslassen solltest, sind diese Leute, die dich mit ihren Ratschlägen malträtieren. Deine Wünsche, Erwartungen und Sehnsüchte an sie. Dich zu verstehen. Dich zu mögen. Nein! Das müssen sie nicht. Sie müssen dich nicht verstehen, auch nicht so sein lassen, wie du bist, oder mögen. Was sie denken ist unwichtig. Denn nur du lebst dein Leben. So, wie du es für richtig hältst. Niemand steckt in deiner Haut und niemand kann dir dein Leben abnehmen. Du alleine bist für dein Leben und dein Glück verantwortlich. Lerne dich und dein Leben zu lieben. Ganz besonders dich!

Und ja! Du hast recht, wenn du jetzt denkst: „Eine Tastatur ist genauso geduldig wie Papier. Da hat die Frau leicht reden bzw. schreiben.“ Ja, was ich hier so erzählt habe, ist absolut nicht leicht umzusetzen. Manchmal hilft auch einfach nur noch der Kontaktabbruch zu solchen Menschen, die dir nicht guttun. Besonders wenn es dabei auch noch um Familienmitglieder geht ist das das Schwierigste überhaupt.

Leider fällt mir da nichts Anderes ein als: „Das gehört zum Leben dazu.“. Du hast dich für einen Weg entschieden, der von der Norm deines Umfeldes abweicht. Der Weg fühlt sich für dich (und dein Kind) richtig an und du willst diesen Weg weitergehen. Aber es ist dein Weg. In seinem Leben hat jeder von uns Wegbegleiter. Manche bleiben lange, andere nur kurz. Niemand kann gezwungen werden einen Weg weiter zu gehen. Manchmal ist es einfach an der Zeit Abschied zu nehmen. Wer weiß. Vielleicht treffen eure Wege zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf einander. Im Guten. Bis dahin heißt es weitergehen.

Du hast diesen ganzen Artikel gelesen. Du bist schon auf deinem Weg. Und da wo du bist, bist du immer genau richtig. Du tust zu jedem Zeitpunkt das Beste zu dem du in der Lage bist und lernst dazu. Gehe deinen Weg weiter mit Stärke und Selbstbewusstsein. Denn du bist gut und richtig und liebenswert. Dein Kind (oder deine Kinder) weiß und fühlt das bereits. Jetzt ist es an der Zeit, dass auch du daran glaubst und es fühlst. 🙂

 

Meine Liebe, ich wünsche dir und deiner Familie ein artgerechtes, wunder- und liebevolles neues Jahr!

 

Servus! Deine Jasmin 🙂

 

Die Bilddateien stammen von pixabay.

 

Jasmin

Ich bin Zweifach-Mama, Sozialpädagogin, Stillberaterin und artgerecht Coach.
Als solche berate und begleite ich Mütter im bedürfnis- und bindungsorientierten Umgang mit ihren Kindern vom Baby- bis Kindergartenalter.
Ich erarbeite mit jeder Mutter individuelle, ressourcen- und lösungsorientierte Wege, um aus Erschöpfung oder (Wochenbett-) Depression heraus zu kommen oder ihnen vorzubeugen.

Hinterlasse einen Kommentar

7 Kommentare auf "Blogparade – Vorsätze für 2016: selbstbewusst artgerecht leben mit Kind"

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
trackback

[…] Heute geht es weiter mit Jasmin selbst zu einem mir selbst sehr am Herzen liegenden Thema, Selbstbewusst artgerecht leben mit Kind. […]

Nadin
Gast

Sehr schöner Artikel. Ich kenne die Problematik sehr sehr gut. Wenn man sein Kind ab der Norm erzieht, wird man andauernd schief angeschaut. Umso schöner, wenn man dann irgendwann das „Ergebnis“ präsentieren kann. Ein ausgeglichenes, (meist) liebes Kind. 🙂 Alles Liebe!

trackback

[…] zur Blogparade „Vorsätze 2016″ aufgerufen. Die Parade startete mit ihrem Beitrag Selbstbewusst artgerecht leben mit Kind. Auch Nadin Haberer von Floras Schatzkiste hat schon teilgenommen mit ihrem Beitrag Pflanzliche […]

trackback

[…] noch wie versprochen die Links zu den anderen Blogartikeln: > Wie du stark und selbstbewusst mit deinem Baby artgerecht lebst und die Kritik aus deinem Umfeld unw…  – von Jasmin Kreitmeier > 7 Tipps für den Vorsatz „kein […]

Karen
Gast
Als eine, die diese Kommentare über jahre hinweg zu hören bekommen hat, weiß ich wie tief sie treffen können. Bei uns ging es dann im Schulalter noch weiter, weil wir unsere Söhne ab einem bestimmten Zeitpunkt unterstützt haben, selbstbestimmt ohne Schule zu lernen. Danach gab es dann bei uns zu einem Teil der Verwandtschaft erstmal keinen Kontakt mehr. Auch wenn die Ängste und Bedenken über den eigenen Weg manchmal fast unüberwindlich erscheinen, möchte ich euch allen Mut machen, dennoch euren eigenen Weg mit euren Töchtern und Söhnen zu gehen, egal, was andere dazu sagen. Holt euch Unterstützung, wenn ihr durch… Read more »
wpDiscuz