Hilflosigkeit – Wie komm ich da nur raus?!

Hilflosigkeit – Wie komm ich da nur raus?!

In letzter Zeit frage ich mich oft, wie es kommt, dass manche Menschen ihr Leben mit einem Fingerschnips einmal um 180 Grad wenden können, während andere hilflos in ihrem unglücklichen Leben und ihren Problemen versumpfen. Diese Anderen hätten von außen betrachtet zwar die selben Möglichkeiten etwas zu verändern. Aber es ist, als wäre da eine unsichtbare Wand, die sie von dem Leben, dass sie sich wünschen abhält. Geht es dir vielleicht auch so?!

Wenn du dich mit Freunden oder Familienmitgliedern unterhältst und deine für dich vielleicht (beinahe) aussichtslose Situation schilderst, bekommst du bestimmt oft viele gut gemeinte Ratschläge, was du tun oder anders machen solltest.

Rat-Schläge sind auch Schläge

„Du musst nur deinen Alltag besser strukturieren/ brauchst ein besseres Zeitmanagement.“
„Mach doch noch was im Haushalt (/für deine Arbeit), wenn die Kinder schlafen.“
„Setz dein Baby in den Laufstall, damit es lernt sich alleine zu beschäftigen, während du deinen Haushalt machst.“
„Lass sie länger im Kindergarten und verschaff ihnen Hobbys und Beschäftigung, wie Fußball, Musikschule, Kinderturnen, Ballett.“ etc. pp.

Für diese Rat-Schlagenden ist die Lösung des Problems ganz einfach. Die Rat-Geschlagenen dagegen, haben für jeden Vor-Schlag eine Erklärung oder einen Grund, warum das gar nicht oder nur schwierig machbar ist.
Ganz klar, manchmal möchtest du einfach nicht zum zigtausendsten Mal deinen bindungs- und bedürfnisorientierten Umgang mit deinen Kindern erklären oder diskutieren (was meist sowieso keinen Sinn hat). Oder du möchtest den wahren Grund, warum du diese „Lösung“ ablehnst nicht erklären. Weil dein Gegenüber schon öfter gezeigt hat, dass er oder sie zu beschränkt ist, um soweit über den eigenen Tellerrand zu blicken.

Aber in einigen Fällen merkst du, dass an dem Rat etwas Wahres dran ist. Trotzdem kannst du darauf nicht eingehen und es einfach mal versuchen. Du bist wie vernagelt und kannst nicht sehen, wie du diesen Vorschlag für dich umsetzen könntest.

Kennst du dieses Gefühl der Zwickmühle? Wo jeder Schritt den du wagst scheinbar nichts an deiner Situation verändern kann? Das nennt man in der Psychologie „erlernte Hilflosigkeit“.

 

hilfloses Kind

Erziehung führt zu Hilflosigkeit – bei Kindern und Erwachsenen

Was ist erlernte Hilflosigkeit?

Wikipedia spuckt dazu folgendes aus: „Erlernte Hilflosigkeit bezeichnet ein psychologisches Konzept zur Erklärung von Depressionen. (….)
Erlernte (auch gelernte) Hilflosigkeit beschreibt die Erwartung eines Individuums, bestimmte Situationen oder Sachverhalte nicht kontrollieren und beeinflussen zu können. Es wird davon ausgegangen, dass Individuen ihr Verhaltensrepertoire einengen und als unangenehm erlebte Zustände nicht mehr abstellen, obwohl sie es (von außen betrachtet) könnten.
Diese Selbstbeschränkung bzw. Passivität ist auf frühere Erfahrungen der Hilf- und Machtlosigkeit zurückzuführen. Das Individuum erfährt einen Kontrollverlust, indem eine ausgeführte Handlung und die daraus resultierende Konsequenz als unabhängig voneinander wahrgenommen werden. Diese Erwartung beeinflusst das weitere Erleben und Verhalten des Individuums und kann sich in motivationalen, kognitiven und emotionalen Defiziten manifestieren (Seligman, 1975).“

 

Wie hängt das mit deinen heutigen Problemen zusammen?

Irgendwann in deiner Vergangenheit hast du (mindestens) einen (massiven) Kontrollverlust erlebt. Das ist kein großes Wunder. Schließlich hast du, wie fast alle Menschen, eine gewisse Erziehung genossen. Dir wurde gesagt, was du zu tun und zu lassen hast und wenn du nicht „mitspielen“ wolltest, wurde dir gezeigt wer „am längeren Hebel sitzt“. Du hast Hilf- und Machtlosigkeit erlebt, weil du dich dem Willen deiner Eltern oder anderer Erwachsener fügen musstest. Ob du bei den Mahlzeiten aufessen musstest, schlafen gehen musstest, obwohl du nicht müde oder noch hungrig warst oder in den Kindergarten (oder die Schule) musstest, obwohl es dir da nicht gut ging…. egal, es gibt unzählige Situationen, in denen Kinder der Macht und Willkür der Erwachsenen ausgesetzt sind und ihre Machtlosigkeit erleben.
(Vielleicht hast du dich ja auch aus diesem Grund dafür entschieden mit deinen Kindern bindungs- und bedürfnisorientiert und gleichwürdig umzugehen.)

Wenn du nun als Erwachsene wieder in eine Situation kommst, in der du einen Kontrollverlust erlebst, werden deine Kindheitserinnerungen und Gefühle reaktiviert. Manchmal sogar ohne, dass es dir bewusst ist. Ein Stück weit bist du dann wieder das kleine Kind, dass einfach nichts dagegen tun kann, was mit ihm oder um es herum passiert.

Mama fühlt sich machtlos

Und hey! Verdammte Scheiße, ja! Was könnte einem als Erwachsenen mehr fremdbestimmen und (vermeintliche) Kontrolle über das eigene Leben entziehen, als ein kleines, hilfsbedürftiges Menschlein, dass Tag und Nacht Bedürfnisse hat und zu einhundert Prozent auf einen angewiesen ist?!

Wenn du da in einer (Wochenbett-) Depression landest, bist du in guter Gesellschaft. Denn dieses Schicksal ereilt bis zu 20% der Mütter in den ersten zwei Jahren nach der Geburt ihres Kindes (ohne Dunkelziffer). Bei um die 700.000 Geburten im Jahr sind das einige.

Aber wie kommst du aus dieser erlernten Hilflosigkeit wieder heraus? Wie kannst du dein Leben wieder nach deinen Vorstellungen und ohne Schranken im Kopf gestalten?

Das geheime Passwort für DEIN Leben: Selbstverantwortung

Übernimm die Verantwortung für dein Leben! Wenn du nicht mehr der Spielball deines Lebens sein willst, der hin und her geschossen wird wie beim Flipper, musst du dir darüber klar werden, dass du die Fernsteuerung (bei Spielekonsolen so passend auch Controller genannt) in der Hand hältst. Fang an sie zu benutzen und kontrolliere dein Leben selbst.

 

Push the button "Selbstverantwortung" - Mit einem Tastendruck raus aus dem Problem ;-)

Push the button „Selbstverantwortung“ – Mit einem Tastendruck raus aus dem Problem 😉

 

  • Mach dir deine Wünsche und Bedürfnisse bewusst und drücke sie deutlich in Ich-Sätzen aus.
  • Übernimm die Verantwortung für deine Probleme (weder dein Partner, die Kinder oder dein Chef ist schuld, wenn du unglücklich, gereizt und genervt bist)
  • Überprüfe deine negativen Überzeugungen (Mindset) und Denkweisen (Hast du schon von vornherein negative Erwartungen? Hattest du so eine schlimme Vergangenheit, dass du eh nichts mehr ändern kannst?)
  • Triff Entscheidungen und trage die Konsequenzen (Bist du unglücklich in deinem Job (oder mit dem Kiga deines Kindes)? Warum suchst du dir nicht einen neuen?!)
  • Sei ehrlich mit dir und anderen (Sag ehrlich, wenn du zu etwas keine Lust hast)
  • Zögere nicht mit einer Entscheidung, weil du Angst hast es könnte die falsche sein. Das Leben ist Versuch und Irrtum. Entweder du gewinnst oder du lernst etwas dazu.
  • Versteck dich nicht hinter anderen („weil MAN das so macht“, „weil WIR das immer so machen“), finde deine eigenen Überzeugungen, zu denen DU selbst stehen kannst
  • Du bist nur für deine Taten und Gefühle verantwortlich. Für die Gefühle die andere durch dich haben (und wie sie damit umgehen) bist du nicht verantwortlich.

 

Hilf dir selbst

Sei dir der Zusammenhänge der erlernten Hilflosigkeit bewusst und handle für dich und als Vorbild für dein(e) Kind(er) (selbst-) verantwortungs-bewusst.
Entdecke dich selbst wieder. Werde dir bewusst wer du bist, was du willst und wovon du überzeugt bist. Finde heraus, wie dein Leben aussehen soll und fange an es (um-) zu gestalten.
Wenn du es nicht machst, macht es keiner.
Schreib mir doch in die Kommentare, bei welchem Problem es dir besonders schwer fällt die Verantwortung zu übernehmen oder was mein Artikel noch bei dir ausgelöst hat.
Wenn dir mein Artikel gefallen oder /und geholfen hat, freue ich mich sehr, wenn du ihn teilst!

 

Bis zum nächsten Mal!

Mamaherz-liche Grüße, deine Jasmin <3

 

Wenn du dir mehr Unterstützung und Begleitung wünschst, melde dich bei mir für ein kostenloses Kennenlerngespräch!

Alle Bilder stammen lizenzfrei von pixabay.

Jasmin

Ich bin Zweifach-Mama, Sozialpädagogin, Stillberaterin und artgerecht Coach.
Als solche berate und begleite ich Mütter im bedürfnis- und bindungsorientierten Umgang mit ihren Kindern vom Baby- bis Kindergartenalter.
Ich erarbeite mit jeder Mutter individuelle, ressourcen- und lösungsorientierte Wege, um aus Erschöpfung oder (Wochenbett-) Depression heraus zu kommen oder ihnen vorzubeugen.

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